
Irina Dzhus löst mit ihrer Herbst/ Winter 2024/25 Kollektion erneut die Grenzen zwischen Mode und Kunst auf. Alle ihre Looks, die sie als Berlin Contemporary-Gewinnerin präsentierte, sind nicht nur aufwändig designt, progressiv in Silhouette, Schnitt und Materialien, sondern vor allem transformierbar. Den Runway, im NEWEST-Showspace Pressecafé, verwandelte die Ukrainerin in ihre Bühne, um ihre sehr persönliche Geschichte durch ihre Entwürfe zu erzählen. Welche das ist, erzählt Irina Dzhus hier.
Ihre Kollektion trägt den Titel „ABSOLUTE“ und kreist thematisch um Ihre Traumata: Sie beschreiben die Flucht aus dem Krieg und verarbeiten zudem eine Missbrauchserfahrung. Wie übersetzen Sie diese sehr persönlichen Themen in Ihre Mode?
Die Kollektion ist der Selbstentdeckung und Selbsterfindung gewidmet. Ich entschlüssele die komplexe Struktur meiner Traumata und lenke sie in avantgardistische Designs um. Zum Beispiel in “Muster in Muster”-Entwürfe. Meine sehr intimen Erinnerungen habe ich auch in Form von 2D-ikonografischen Outfits mit verschlüsselten Botschaften quasi eingefroren. Außerdem ist es das erste Mal, dass meine bisher unveröffentlichten, grafischen Arbeiten Teil der Kollektion sind.
Alle Ihre Looks sind handwerklich außerordentlich gefertigt, sehr detailliert und obendrein wandelbar. Wo haben Sie sich in dieser Saison inspirieren lassen?
Thematisch bin ich in meiner Komfortzone geblieben, indem ich mich auf modernistische Comics und gnostische Erzählungen, Attribute des sozialen Konformismus und Spekulationen über die Geschlechterdarstellung beziehe. Hinzu kommen nachhaltige Schneidertechniken und Textilmanipulationen, die auch eine Hommage an die Kunst des Kintsugi sind. Teile meiner Looks sind nämlich aus Vintage-Kopfbedeckungen und -Schals gefertigt.
Worauf haben Sie in Bezug auf Farbe, Material und Silhouette besonders geachtet?
Die Silhouetten von ‘ABSOLUTE’ sind gleichermaßen naiv und tiefgründig. Zudem liegt der Fokus auf Schwarz und Weiß, doch wird die Kollektion durch eine Reihe von Ecru, Nude- und Grautönen aufgeweicht. Bezüglich Materialien habe ich bewusst unverwechselbare Textilien genutzt, die konzeptionell verwandelt werden.

Was ist Ihr persönlicher Lieblingslook?
Einer der DZHUS-Schlüssellooks ist ein übergroßer Herrenmantel. Kontrastiert wird die Silhouette mit einer den Entwurf umarmenden, weiblichen Figur. Diese übernatürliche Gegenform ist eng mit meiner Identität verbunden und spiegelt auch meine Existenz wider. Sie steht sowohl für einen euphorischen Traum als auch für eine lähmende Dystopie.













