Gleich drei deutsche Nachwuchsdesigner haben es unter die zehn Finalisten des internationalen Mode-Wettbewerbs in Hyères geschafft. Das Prinzip Nachhaltigkeit hat diese Generation inzwischen längst verinnerlicht.

Seit 1986 fördert das Internationale Festival für Mode und Mode-Accessoires in Südfrankreich Nachwuchsdesigner. 1997 wurde außerdem ein Wettbewerb für aufstrebende Fotografen eingeführt. Den Juryvorsitz hat dieses Jahr Glenn Martens inne, der als Kreativdirektor für das gelungene Comeback der Jeansmarke Diesel verantwortlich ist und das bei Millennials so geschätzte Label Y/Project führt. Martens weiß aus eigener Erfahrung, was für ein Sprungbrett Wettbewerbe für junge Absolventen sein können – er wurde vom Diesel-Gründer Renzo Rosso beim ANDAM Fashion Award in Paris entdeckt.

Valentin Lessner erhielt den Preis le 19M des Métiers d’Art, den Preis für ökologisch verantwortliches Design von Mercedes-Benz und auch die Hochachtung von Maïda Gregori-Boina, der künstlerischen Leiterin des Festival de Hyères. Lessner beherrscht das Schneiderhandwerk, das er aus einer Familientradition übernommen hat, perfekt – und verleiht ihr mit recycelten Materialien und Entwürfen (eine Hose aus Leinenresten) seine ganz persönliche Note. Die Silhouetten der Kollektion sind von seiner Heimat Bayern und einer mystischen Gestalt, dem Perchten, inspiriert. Diese erinnert optisch an eine menschliche Bestie. Lessners Fähigkeit, eine Verbindung zwischen der alten und der Neuen Welt herzustellen, findet sich auch in der Arbeit von Joshua Cannone, dem Gewinner des Accessoirepreises wieder. Cannone lässt uns mit seinen Ledertaschen mit erstaunlichen und überdimensionalen Formen in das Metaverse eintauchen. Auch Adele Dendaletche macht mit Accessoires auf sich aufmerksam. Sie stellt Formen aus Plexiglas her, in die sie ein Bad aus PT Flex eintaucht, einem Harz, das aushärtet und es ihr ermöglicht, Sohlen herzustellen, ohne von den Mindestbestellmengen eines Herstellers abhängig zu sein.

„Maßschneiderei Lessner und Sohn“ steht auf dem Etikett des schweren anthrazitfarbenen Wollmantels mit Fischgrätmuster. Darüber hat Valentin Lessner einen jagdgrünen Kragen gelegt, bestückt mit Anstecknadeln. Ein silberner Hirsch, unter dem die Aufschrift Garmisch prangt, ein metallenes Eichhörnchen und ein kleiner Mercedes-Benz-Pin. Ein ironisches Detail, denn der Automobilhersteller ist neben Chanel einer der Hauptsponsoren des internationalen Mode-Festivals in Hyères. Lessner hat sich hier mit seiner Abschlusskollektion der Modeschule Design Department Düsseldorf beworben und es unter die zehn Finalisten geschafft. „Resurrectio“, also Auferstehung, nennt er sie, denn sie ist eine Hommage an seine bayerische Heimat und an das Handwerk des Schneiderateliers der Großeltern in Burgau Schwaben, nahe der bayerischen Grenze.

Unter den zehn Finalisten, die ihre Kollektionen vor dem Publikum und der Jury bei einer Laufstegshow präsentieren durften, war Deutschland mit drei Finalisten überdurchschnittlich häufig vertreten. Bemerkenswert an allen drei Kollektionen war, wie die jungen Designer das Prinzip Nachhaltigkeit verinnerlicht haben. Statt neue Stoffe zu kaufen, greifen sie auf bereits vorhandene Materialien zurück. Tim Süssbauer, der an der Berliner Universität der Künste studiert hat, macht aus alten Kuhfell-Teppichen Mäntel.

Antonia Schreiter, mit einem Abschluss vom Institut Français de la Mode, strickt und häkelt selbst und verwertet Reste dann wieder in der nächsten Kollektion.
